02/12/2012

Hinter den Kulissen der Biomärkte – Teil 2

Heute folgt Teil 2 meiner kleinen Reihe “hinter den Kulissen der Biomärkte”. Teil 1 findet ihr hier.

Hygiene und Umgang mit der Ware

Auch wenn der Biomarkt unserer Träume ein etwas angestaubtes Image hat, so wünschen wir uns doch Sauberkeit und einen guten Umgang mit der teuren Ware. Wie sieht es wirklich aus?

Zum Putzen bleibt in den meisten Bio-Märkten wenig Zeit. Oberflächlich soll alles gut aussehen, doch sieht man mal genauer hin, so erkennt man auch als Kunde schnell den einen oder anderen Mangel.

Die Mitarbeiter berichten mir folgendes: Kühltheken werden wochenlang nicht geputzt. Auch wenn Milch oder Quark ausgelaufen ist, dauert es manchmal eine Woche, bis ein Mitarbeiter Zeit findet, sich darum zu kümmern. In einem Biosupermarkt gab es Schimmel in der Kühltheke. Viele berichten von Schimmel auf Obst und Gemüse (weil die Kontrollen zu oberflächlich oder zu selten durchgeführt werden). Ein Mitarbeiter berichtet von großflächigem Schimmel im Lager. In den Regalen befinden sich abgelaufene Produkte. Auch hier werden die Kontrollen nur oberflächlich oder gar nicht durchgeführt. Eine Mitarbeiterin berichtete mir, dass sie im Januar 2012 ein Produkt gefunden habe, dass im April 2011 abgelaufen sei. Doch das ist kein Einzelfall. Am gleichen Tag seien ihr Produkte aufgefallen, die im Juli 2011, im Oktober 2011 und im Dezember 2011 abgelaufen seien.

Wie paradox erscheint da der Bericht eines anderen Mitarbeiters: Jeden Abend wird ausgiebig mit der lauten Putzmaschine geputzt. Nicht bis alles sauber ist, sondern so lange, bis die Putzmaschine endlich den gewünschten Kilometerstand anzeigt, der von der Zentrale vorgeschrieben wird. Spart man so Energie? Passt das zum Image eines Biomarktes?

Doch zurück zur Hygiene. Da wird mir von möglichen Unterbrechungen in der Kühlkette berichtet. Ja gar von fehlenden oder kaputten Thermometern, mit denen morgens überprüft werden soll, ob die Temperatur der ankommenden Ware in Ordnung ist. Diese Überprüfungen finden natürlich nicht statt. Es fehlt an Zeit.

Oft fällt in diesem Zusammenhang die Abkürzung HAPCC. Das HAPCC-Konzept (“Hazard Analysis and Critical Control Points-Konzept” oder zu deutsch “Gefahrenanalyse und kritische Lenkungspunkte”) ist ein vorbeugendes System, das die Sicherheit von Lebensmitteln und Verbrauchern gewährleisten soll. In der Praxis handelt es sich um unterschiedliche Auflistungen, zum Beispiel Reinigungspläne. In diesen Listen wird festgehalten, welcher Mitarbeiter welche Aufgabe übernommen hat. Durch eine Unterschrift wird dieses bestätigt. Da aber zu wenig Zeit bleibt oder die geeigneten Hilfsmittel fehlen, um diese Aufgaben wirklich bewältigen zu können, werden die Pläne einfach so unterschrieben. Das Fatale daran: Würde es zu einer Überprüfung kommen, haftet der Mitarbeiter, der unterschrieben hat.

Copyright © 2012 Anke Goodwin - Klimaschutz-Selbstversuch - Alle Rechte vorbehalten

Powered by WordPress