28/11/2012

Hinter den Kulissen der Biomärkte – Teil 1

Natürlich bin ich für Bio-Produkte. Doch interessiert mich auch, wo dieser herkommen. Konkret habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie in unseren Biomärkten gearbeitet wird.

In vielen Köpfen zeichnet sich immer noch das Bild eines gemütlichen Biomarktes ab, in dem die Mitarbeiter etwas müslimäßig daherkommen, aber immer nett und fröhlich sind. Sie haben es gut, denn sie stehen niemals unter Stress. Sie können langsamer arbeiten als ihre Kollegen im Discounter nebenan. Die Ware wird liebevoll in die Regale eingeräumt. Ja, am liebsten träumen wir von einem kleinen, etwas verstaubten Laden, der in gelbliches Licht getaucht ist. Doch sind das die Biomärkte der Gegenwart?

Ich habe mit einigen Mitarbeitern unterschiedlicher Biomärkte gesprochen und musste dabei feststellen, dass wir unser Bild des Biomarktes einmal ordentlich überarbeiten müssen.

Biomarkt oder Bio-Discounter?

In vielen Biomärkten, besonders in den großen Ketten, geht es ähnlich zu wie in den bekannten Discountern. Zumindest bewegen sich die Biomärkte immer weiter in Richtung Discounter.

Als erstes geht es darum, immer günstigere Preise anzubieten. Die Biomärkte locken mit Angeboten, Rabatten und ähnlichem. Da es wichtig ist, die Preise niedrig zu halten, werden möglichst wenig Mitarbeiter angestellt. Dieser Mitarbeiterengpass hat verheerende Auswirkungen (wie wir später noch sehen werden). Auf persönliche Beratung wird immer weniger Wert gelegt. Es bleibt schlicht keine Zeit dazu. Dabei sind viele Neukunden besonders auf Beratung angewiesen. Doch selbst wenn einmal die Zeit für Beratung bleibt, so fällt die Beratung oftmals nur mittelprächtig aus, denn die Mitarbeiter sind oft ungeschult! Da wird so gut weitergeholfen, wie es eben geht. Doch manchmal wird auch falsch beraten. Nicht aus böser Absicht, sondern weil es schlicht an Wissen mangelt.

Beim Discounter verlangt niemand eine Beratung. Bewegen sich die Biomärkte in eine Richtung, die zwar finanziell lohnenswert erscheint, sich aber immer weniger an den Kunden orientiert? Wollen die Kunden niedrige Preise oder Beratung? Gibt es nicht immer noch viele Kunden, die einen Biomarkt nicht zuletzt darum betreten, weil dort immer eine entspannte Atmosphäre herrscht, weil man sich in Ruhe umsehen kann und weil man gut beraten wird?

Ja, es gilt zu sparen, bestätigen mir die Mitarbeiter. Sparen, wo immer es möglich ist: Und so haben es die Mitarbeiter zunehmend mit qualitativ schlechten Maschinen und Hilfsmitteln zu tun. Egal ob Pfandautomat oder Kasse… irgendetwas ist immer kaputt.

Der nächste logische Schritt bestände darin, das Warensortiment einzuschränken, so wie es die richtigen Discounter auch machen. Statt der bisherigen 15 Sorten Mehl würde es dann nur noch drei Sorten Mehl geben. Zur großen Unzufriedenheit der Kunden, denn diese wünschen sich Vielfalt und erwarten, in einem Biomarkt Reismehl, Dinkelmehl und Johannisbrotkernmehl kaufen zu können.

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