01/07/2012

Tipp
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Tipp der Woche: windelfrei

Was ist klimafreundlicher? Von Hand spülen oder die Spülmaschine anschmeißen? Bisher konnte ich keine eindeutige Antwort finden.

Was ist klimafreundlicher? Stoffwindeln oder Öko-Wegwerfwindeln? Auch über diese Frage musste ich lange brüten. Stoffwindeln müssen gewaschen werden. Hat man einen Windeldienst beauftragt, so werden sie zusätzlich für jede Wäsche transportiert. So richtig klimafreundlich ist das nicht. Öko-Wegwerfwindeln sind vielleicht ein wenig besser als gewöhnliche Wegwerfwindeln, aber auch sie müssen aufwendig hergestellt, transportiert und entsorgt werden. Der Vorteil gegenüber herkömmlichen Windeln scheint mir da eher gering zu sein.

Da meine Freundin aus Afrika kommt und oft interessante Ideen aus Afrika mitbringt, beschloss ich, sie zu fragen, welche Art von Windeln in Afrika verwendet werden. Sie lachte bloß und erklärte mir, dass Windeln viel zu teuer seien. Stattdessen leben die Kinder dort von Geburt an windelfrei. Das funktioniert so: Immer wenn die Kleinen mal müssen, werden sie im Gebüsch abgehalten. Dazu macht die Mutter (oder derjenige, der die Kleinen abhält) ein Geräusch, das ähnlich wie ein Pfeifton klingt. Nach spätestens drei Monaten wissen die Babys, dass dieses Geräusch das Signal zum pinkeln ist und sie erledigen ihr Geschäft auf Kommando. Bis es allerdings so weit ist, müssen Eltern und Großeltern Tag und Nacht ein Auge auf das Baby haben und es bei jedem Anzeichen abhalten, damit sie jedes Mal das entsprechende Geräusch machen können.

Das fand ich äußerst interessant. Doch meine Freundin gab zu, dass diese Methode in Deutschland kaum zum Einsatz kommen wird, da sie zu zeitintensiv ist. Die deutschen Mütter haben einfach nicht Tag und Nacht Zeit für so etwas. Außerdem fehlt ihnen die Unterstützung der Familie. In Afrika übernimmt auch mal die Oma die Nachtschicht.

Wenig später hörte ich dann von der deutschen Variante. Sie nennt sich windelfrei und kann auch stundenweise angewendet werden. Der Rest des Tages kann mit Windeln überbrückt werden.

Man geht davon aus, dass das Baby nicht nur singnalisiert, wenn es Hunger hat oder wenn ihm kalt ist, sondern auch, wenn es mal muss. Die Mutter reagiert dann auf diese Signale, indem sie das Kleine abhält (egal ob über einer Schüssel, über der Toilette oder über einem Busch).

Einige Mütter verbinden das Abhalten mit einem Geräusch oder einer Geste. Einige Babys übernehmen dieses Geräusch oder diese Geste, um zu signalisieren, dass sie abgehalten werden wollen.

Es funktioniert also fast genauso wie in Afrika. Nur mit der Ausnahme, dass wir “ungünstige” Zeiten mit Windeln überbrücken, nicht ganz so konsequent sind und dadurch oft länger brauchen, bis das Kind gänzlich ohne Windeln auskommt.

Zum Thema windelfrei gibt es viele hilfreiche Webseiten mit Erfahrungsberichten, Zeichnungen auf denen die richtige Abhaltetechnik verdeutlicht wird, Buchempfehlungen und vielem mehr.

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