04/03/2012

Tipp
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Tipp der Woche: Ökogas

Jahrelang drehte sich alles um Ökostrom. Ökostrom zu beziehen war der erste und effizienteste Schritt für Privatpersonen, die sich für den Klimaschutz einsetzen wollten. Heute ist Ökostrom so günstig zu haben, dass es keinen Grund mehr gibt, sich gegen Ökostrom zu entscheiden. Und so gibt es immer mehr Wechselwillige…

Ich erinnere mich noch gut daran, wie Lichtblick vor einigen Jahren zaghaft damit anfing, Ökogas auf den Markt zu bringen. Es handelte sich dabei um ein Biogas-Erdgas-Gemisch, das an eine Hand voll Haushalte und die eigene Firmenzentrale ausgeliefert wurde.

Heute enthält LichtBlick-Gas im Jahresmittel einen Anteil von fünf Prozent klimaneutralem Biogas. Der Rest ist Erdgas. Bei der Herstellung von Biogas, das LichtBlick-Gas beigemischt wird, werden weder Gülle aus Massentierhaltung noch gentechnisch veränderte Rohstoffe verwendet.

Andere Anbieter zogen nach und so können wir heute auf viele verschiedene Angebote zurückgreifen. Doch Ökogas ist nicht gleich Ökogas.

(Und während ich diese Zeilen schreibe, fühle ich mich arg an die Anfangszeit des Ökostroms erinnert… Die Angebote unterschieden sich sehr! Da wurden Produkte, die nur zu 50% aus Ökostrom bestanden, als Ökostrom deklariert. Andere Anbieter machten aus konventionellem Strom Ökostrom, indem sie die passenden Emissionszertifikate kauften. Und so musste immer wieder darauf hingewiesen werden, dass nur Lichtblick, Naturstrom, Greenpeace Energy und die Elektrizitätswerke Schönau wirklich das liefern, was wir Endverbraucher haben wollen: Zertifizierten Ökostrom. Außerdem haben diese Vier den Ausbau regenerativer Energien maßgeblich vorangetrieben.)

“Ökogas” kann bedeuten, dass Emissionszertifikate gekauft werden, die die entstandene CO2-Belastung ausgleichen sollen, oder dass Klimaprojekte in Entwicklungsländern unterstützt werden. Es handelt sich jedoch weiterhin um ganz normales Erdgas! Dieses Gas wird auch “Klimagas” genannt.

Andere Anbieter verstehen unter “Ökogas” ein Erdgas-Biogas-Gemisch (so wie Lichtblick) oder reines Biogas. Ein Beispiel dafür ist Naturstrom. Dieser Anbieter garantiert außerdem, dass 0,25 Cent pro Kilowattstunde in den Bau neuer Ökokraftwerke fließen.

Kritiker werden nun einwenden, dass man durch die Unterstützung von Biogas indirekt auch Monokulturen fördert, die Biodiversität beeinträchtigt und Flächenkonkurrenz zur Lebensmittelerzeugung generiert. Daher ist Biogas aus Reststoffen zu bevorzugen.

Einen ganz anderen Weg geht Greenpeace Energy. Beim Gas dieses Anbieters handelt es sich um Erdgas, dem nach und nach immer mehr EE-Gas (auch Windgas, Solargas oder Erneuerbare-Energien-Gas genannt) beigemischt werden soll. Eines Tages möchte Greenpeace Energy dann reines Windgas anbieten können.

Die Ausgangsidee für Windgas besteht darin, Ökostrom in Form von Gas zu speichern, wenn die Netzkapazitäten durch Atom- oder Kohlekraftwerke verstopft sind oder wenn Wind, Sonne und Wasser mehr Energie liefern, als gerade gebraucht wird. Aus Ökostrom und Wasser wird so durch Elektrolyse Sauerstoff und Wasserstoffe gewonnen. Dieser Wasserstoff kann als Energieträger ins Gasnetz eingespeist werden oder in Strom zurückverwandelt werden oder in einem weiteren Schritt in Methan umgewandelt werden.

Was haltet ihr davon? Welches Gas verdient eurer Meinung nach den Namen “Ökogas”? Welche Erfahrungen habt ihr mit welchen Anbietern gemacht?

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Bei der ganzen Biogas Deklaration sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass Methan extrem flüchtig ist und aus vielen Biogasanlagen entweicht. Da Methan einen bis zu 33 mal so hohen Treibhauseffekt wie CO2 hat sollte man eher darauf achten in Zukunft die Anlagen dichter zu bekommen.

Ein weiterer unterschätzter Faktor ist Lachgas, das einen 200 mal höheren Treibhauseffekt wie CO2 hat und in sehr großem Stil beim Düngen in der konventionellen Landwirtschaft (v.a. Energiepflanzen!) frei wird! Ein absoluter Klimakiller und ich kann das CO2-Geschwätz bald nicht mehr hören, denn im Gegensatz zu anderen Emissionen ist CO2:

-ungiftig
-leicht abbaubar (Pflanzen)
-relativ inert und damit berechenbar

Das steigende Pflanzenwachstum bei steigender CO2-Konzentration wird den CO2-Effekt zusätzlich dämpfen, da CO2 in vielen Gebieten der limitierende Wuchsfaktor ist (vgl. Gewächshausbegasung).

Viel größere Sorgen muss man sich über andere Emissionen der unsauberen/ungefilterten Verbrennung (Holzkamine, Diesel, Schiffsmotoren, Flugverkehr, Lagerfeuer, Öl- und Kohleverbrennung, Brandrohdung, etc.) machen:
z.B. Rußpartikel, die neben gesundheitlichen (Krebs, Arteriosklerose, Asthma, etc.; Achtung Pharmalobby) auch beachtliche Treibhauseffekte (Schneeverdunkelung, Reflektion des Sonnenlichts) bewirkt. Stick- und Schwefeloxide sind weitere solcher schwer kontrollierbaren Schadstoffe.

CO2 ist unser kleinstes Problem, wirklich! Vorher müssen wir es schaffen alle Öl-, Holz-, Kohleverbrennungsanlagen zu ersetzen, oder wenigstens Filterung gesetzlich vorschreiben! Die Gesundheitskosten der boomenden Holzpelletöfen und Baumarkt-Kaminöfen werden uns noch schwer im Magen liegen, wenn wir nicht bald handeln. Auch die gesetzlosigkeit auf den Weltmeeren muss ein Ende haben – immer mehr Schiffe verbrennen immer mehr Alt-und Schweröl bei gigantischem Schadstoffausstoß. Flugzeugturbinen verbrennen (nach warmlaufzeit) das Kerosin wegen der großen Hitze zwar sauber, aber dafür verdampft rund um die Brennkammer so viel Dreck (Schmier-, Kühl-, Klebemittel, Kunststoffe) das dabei mit Sicherheit sogar völlig unbekannte Stoffe entstehen und zur Klimatisierung sogar munter in die Kabinen geleitet wird.

Aber ich bin vom Thema abgekommen: Wasserstoff ist noch flüchtiger als Methan! Aber wenn Greenpeace dafür eine vernünftige Lösung findet, dann taugt das ökologisch mit Sicherheit mehr als ganze Landstriche mit zahlreichen rote Liste Arten für ein Pumpspeicherkraftwerk unter Wasser zu setzen um überschüssige EE zwischen zu speichern.

Thorsten

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