15/02/2012

Selbstversuch: vegan leben

Für das Klima wäre es sicherlich gut, vegan zu leben. Da ich selbst nicht vegan lebe, finde ich den Selbstversuch meiner Freundin Anna umso spannender… Und so habe ich sie gebeten, ihre Erfahrungen für euch aufzuschreiben, was sie gerne getan hat. Vielen Dank, Anna!

Seit einem Jahr bin ich Vegetarierin, seit einem halben Jahr versuche ich vegan zu leben. Viele, denen ich das erzähle, gucken erschrocken und fragen: „Was isst du denn dann überhaupt noch?“

So schwer, wie man sich das vielleicht im ersten Moment vorstellt, ist es aber gar nicht. Wenn man sich ein Mal den Aufwand gemacht hat, vor dem Kauf von Produkten die Zutatenliste durchzulesen und sich schlau gemacht hat, welche Ersatzmöglichkeiten es gibt, lebt man eigentlich ganz bequem und normal als Veganer. Ich habe Milch durch Sojamilch ersetzt, bei Margarine darauf geachtet, dass sie rein pflanzlich ist (bspw. Deli Reform oder Sojola) und anstatt Vollmilchschokolade bestimmte dunkle Schokoladen gekauft. Außerdem habe ich keine Eier mehr gekauft und auch darauf geachtet, dass ich auch keine Produkte kaufe, in denen Eier oder andere tierische Produkte enthalten sind.

Am Anfang war es schon frustrierend durch den Supermarkt zu laufen und dauern enttäuscht festzustellen, dass sehr viele Produkte nicht ohne tierische Erzeugnisse auskommen, und sei es nur als Geschmacksverstärker. Irgendwann schlug die Enttäuschung dann in Wut um. Wie kann es sein, dass selbst in Chips Molkepulver enthalten ist?

Leider musste ich auch feststellen, dass Sojamilch nicht gleich Sojamilch ist. Zunächst habe ich mich gefreut, dass inzwischen auch fast jeder Discounter Soja-Drinks anbietet und ich damit relativ günstig einkaufen konnte. Nur leider hat sich meist mit dem sinkenden Preis der Geschmack verschlechtert. Ich musste also erst testen, welche Sojamilch mir schmeckt. Also habe ich jedes Mal, wenn ich in einem anderen Supermarkt war, eine Tüte Sojamilch gekauft und sie getestet. Ich brauchte circa einen Monat, bis ich alle Soja-Drinks probiert hatte. Ich persönlich finde nur den Soja-Drink von Alpro Soja lecker. Dieser kostet aber auch fast das Doppelte von den Discounter-Drinks. Aber das ist es mir wert!

Zur ersten richtigen Herausforderung kam es dann am Geburtstag meines Freundes, der sich mit mir für die vegane Lebensweise entschieden hatte. Zunächst bekamen wir Besuch von der Verwandtschaft, für die wir Kuchen backen wollten. Ohne Eier ist das im ersten Moment undenkbar. Jedoch fanden wir im Internet viele vegane Backrezepte und bekamen Hilfe von meiner Schwester, die seit einem Jahr vegan lebt. Also gab es einen veganen Schokokuchen und veganen Latte Macchiato. Kurz darauf haben wir noch eine große Feier mit Freunden gemacht. Das ganze Buffet war vegan, selbst die Aioli. Keinem ist es aufgefallen, dass alles vegan war. Das Erstaunen und das Lob waren daher groß, als wir „die Katze aus dem Sack gelassen haben“.

Zuhause ist es wirklich nicht schwer, sich vegan zu ernähren. Schwieriger wird es dann schon, wenn man unterwegs ist. Leichter mag das in Metropolen wie London oder Berlin sein, wo dieser Lebensstil schon viel weiter verbreitet ist. In Aachen ist es jedoch ziemlich schwierig. Es gibt nur ein Restaurant, das vegane Gerichte anbietet. Ansonsten muss man sich immer sehr genau überlegen und nachfragen, was man bestellt. Das ist auch der Grund warum ich sage, dass ich versuche, vegan zu leben. Ich bin ein Heim-Veganer, der auch unterwegs sich vegan zu ernähren versucht. Ab und zu ist das aber wirklich sehr schwierig.

Ein wenig Arbeit ist es also schon. Man könnte sich also fragen, warum ich den ganzen Aufwand betreibe und ob es nicht reicht, einfach keine Tiere mehr zu essen. Ich esse keine Tiere und auch keine tierischen Erzeugnisse aus rein ethischen Gründen. Dass das nun besonders gesund ist oder man davon angeblich abnehmen soll, ist mir dabei ziemlich egal.

Leider ist es so, dass man, wenn man beispielsweise Milch konsumiert, auch die Tötung und Ausbeutung der Tiere unterstützt. Zum einen leiden Kühe und ihre Kälber sehr unter der Trennung voneinander, die kurz nach der Geburt vorgenommen wird, damit wir die Kuhmilch bekommen und nicht das Kälbchen. Zum anderen werden viele Kälbchen meist nicht weiter gebraucht und daher früh geschlachtet. Ob man sie dann als Vegetarier nicht isst macht keinen großen Unterschied… irgendwas muss man ja mit den ganzen Kälbchen machen. Bei Eiern ist es auch nicht besser: Männliche Küken werden aussortiert und entweder vergast oder geschreddert. Dazu sind die Haltungsbedingungen der meisten Nutztiere unwürdig und keineswegs artgerecht. Selbst ein Biohof ist keine Garantie für glückliche Tiere. Auch dort müssen die Kühe dauernd kalben, um möglichst viel Milch zu geben.

Außerdem leistet man einen Beitrag zum Umwelt-/Klimaschutz. Für die Herstellung von Fleisch wird ein Vielfaches von dem Wasser benötigt, das für die Herstellung von nichttierischen Produkten wie Obst und Gemüse gebraucht wird. Auch die Treibhausgase, die bei der Fleischproduktion und bei der Nutztierhaltung entstehen, sind erheblich höher. Wenn man sich dann vorstellt, wie viel Getreide dazu genutzt werden muss, um Nutztiere zu füttern, kann man sich auch vorstellen, wie viele Menschen man auf der Welt damit satt bekommen würde. Um ein Kilo Fleisch herzustellen, muss ein Tier bis zu 16 kg Getreide fressen. Das kann doch nicht vertretbar sein, wenn in Afrika Menschen verhungern.

Hier ein paar Links, die mir geholfen haben mich vegan zu ernähren:

http://www.veganwelt.de
http://goveggie.de

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