19/07/2011

Verdrängung statt Fortschritt

Letztens war ich wieder mal auf einer dieser tollen Veranstaltungen, wo man kostenlos Filme, Vorträge und Diskussionen besuchen konnte. Ich liebe es, diese Dokumentarfilme zu sehen, die sonst selten gezeigt werden.

Die Bandbreite der Themen war groß: Es ging um den Klimawandel, Fair Trade, Gentechnik, das Leben in fremden Ländern, und so weiter.

Ich habe viel Neues erfahren und konnte einiges für mich mitnehmen. Doch was mich an diesen Veranstaltungen immer wieder stört, ist die Tatsache, dass auf viele Missstände in der ganzen Welt aufmerksam gemacht wird, aber selten eine klare Handlungsaufforderung damit verbunden ist.

Ein Beispiel: Man sieht sich einen Film über Gentechnik an. Anschließend wird darüber diskutiert, wie schlimm das alles ist. Man verlässt den Raum leicht taumelnd, den Kopf voller Gedanken, … das alles scheint einfach unfassbar! Der Kopf weiß keine Lösung, das Problem erscheint zu groß. Daher setzt bei vielen Menschen sehr schnell der Prozess der Verdrängung ein.

Und das ist leider auch nach diesen Veranstaltungen der Fall. Zunächst ist man froh, so viel erfahren zu haben. Doch dann merkt man, dass diese Dinge sehr weit weg sind (entweder spielen sie sich in fremden Ländern oder in großen Firmen ab) und dass man als Einzelperson scheinbar keine Einflussmöglichkeiten hat. Somit werden all die neuen Erkenntnisse schnell verdrängt. Die ganze Veranstaltung hat damit keine nachhaltige Wirkung.

Und das finde ich schade!

Aus meiner Sicht wäre es besser, wenn zum Ende einer solchen Veranstaltung (oder alternativ zum Ende jeder Diskussion, jedes Films und jedes Vortrags) eine kurze Handlungsaufforderung mitgegeben würde. Das kann im Bereich Gentechnik der Hinweis auf den Greenpeace-Ratgeber “Essen ohne Gentechnik” sein. Im Bereich Klimaschutz einer meiner unzähligen Klimaschutz-Tipps. Im Bereich Fair Trade der Hinweis auf den örtlichen Weltladen. Und so weiter.

Ich denke, es ist wichtig, die Leute vom zuhören zum mitmachen zu bewegen. Zuhören allein reicht nicht. Dadurch verändert sich nichts.

Auch für die Zuhörer ist es von Vorteil, wenn sie nicht mit dem quälenden Gedanken “oh, das ist schlimm, aber ich kann eh nichts ändern” aus der Veranstaltung gehen, sondern mit dem guten Gefühl “das ist schlimm, aber ich kann einen kleinen Teil dazu beitragen, um diese Sache zu ändern”. Ich denke, mit dieser Einstellung sind auch viele dazu bereit, die Sache weiterzutragen, ihren Freunden davon zu erzählen, ihre Familie zum Mitmachen zu bewegen, …

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