19/04/2011

Selbstversuch: Greenwashing

Das Thema Greenwashing taucht immer wieder in den Medien auf. Scheinbar verstehen die Unternehmen nach wie vor nicht, dass eine grüne Fassade eher abschreckend als anziehend wirkt. Denn kommt der Schwindel erst mal raus, ist das Vertrauen restlos erschüttert. Ich spreche aus Erfahrung…

Wie kann man sich vor Greenwashing schützen? Meiner Meinung nach ist das recht einfach: Die meisten Unternehmen werben lediglich mit einem oder zwei positiven Punkten. Beispielsweise mit einer Jeans aus Bio-Baumwolle. Der mündige Verbraucher sollte jedoch auf ALLE Punkte achten. Die wichtigsten Fragen sind dabei: Aus welchen Materialien wurde das Produkt erstellt und wie wurde es verarbeitet? Bereits an diesem Punkt fällt die Bio-Baumwoll-Jeans unten durch, denn für die Weiterverarbeitung wurde sie von A nach B nach C transportiert, die Fäden für die Nähte sind nicht aus Bio-Baumwolle, die Knöpfe alles andere als umweltfreundlich und spätestens am verwaschenen, abgetragenen Look kann auch der Laie erkennen, dass es sich hier um kein klimafreundliches Produkt handeln kann.

Schaut man sich das Unternehmen näher an, wird meist sehr schnell klar, ob es sich um einen grünen Anstrich handelt, oder ob wirklich guter Wille dahinter steckt. Wie sieht es mit der Produktpalette aus? Werden überwiegend umweltfreundliche Produkte verkauft? Wie sieht der Laden aus? Gibt es energiesparende Lampen oder wird auch im Winter bei offener Tür geheizt? Oft sind es viele Kleinigkeiten, mit Hilfe derer sich ein großes Bild zusammensetzen lässt.

An dieser Stelle möchte ich gerne über zwei Erlebnisse sprechen, die mich selbst sehr aufgerüttelt haben:

In einem Kaufhaus fiel mein Blick auf ein scheinbar neues Öko-Label. Zumindest baumelte ein brauner, leicht zerknitterter Zettel am Kleidungsstück. Er erweckte den Eindruck, als sei er aus Recyclingpapier. Die abgebildete Illustration und die verwendetet Schriftart ließen eindeutig auf “öko” schließen. Der Designer hatte ganze Arbeit geleistet.

Doch dann las ich mir den kleingedruckten Text durch. Dort wurde die einmalige Qualität des Produktes angepriesen und auf die besondere Weiterverarbeitung hingewiesen. Der Paradoxe daran: Eben dieser Schritt der Weiterverarbeitung, der hier angepriesen wurde, ist ganz und gar nicht umweltfreundlich!

Meine zweite Entdeckung bezieht sich auf diverse Online-Händler, die damit werben, ausschließlich umweltfreundliche Produkte anzubieten. Viele dieser Plattformen bieten außerdem die Möglichkeit, die einzelnen Produkte zu bewerten und den anderen Käufern damit Kaufanreize zu schaffen. So weit, so gut.

Manchmal würde ich gerne all die Produkte bewerten, die aus meiner Sicht rein gar nichts mit Umweltschutz zu tun haben. Aber das würde wohl zu lange dauern.

Daher seid bitte auch in scheinbar grünen Läden und Online-Shops vorsichtig… und überprüft so weit es euch möglich ist, welches Material verwendet wurde und wie dieses weiterverarbeitet wurde. Sehr viele Produkte sind nur halb-öko. Oder viertel-öko. Oder gar achtel-öko, aber dieses eine Achtel wird besonders groß herausgehoben.

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