02/02/2011

Selbstversuch: Klimafreundlicher Urlaub

Bereits damals im Selbstversuch habe ich meinen klimafreundlichen Wanderurlaub geplant. Leider konnte ich ihn aus zeitlichen Gründen nicht umsetzen. Doch nun ist es vollbracht: Zwei Wochen umweltbewusst durch Deutschland laufen, die Nächte auf Campingplätzen verbringen, das ganze Haus auf dem Rücken dabei haben…

Im Frühling letzten Jahres machten wir uns auf, um einen der bekanntesten Wanderwege dieser Region auszuprobieren. Wir fuhren morgens mit dem Zug los und hofften, etwa zwei Wochen später wieder zu Hause anzukommen. Zu Fuß. Vor uns lagen über 300 Kilometer Weg, mal flach, mal hügelig, mal sonnig, mal schattig. Der Weg führte uns durch kleine Dörfer, viele Wälder und Wiesen, an Bächen entlang und zu beeindruckenden Felsenhöhlen. Natur pur!

Wie schön, dass es so etwas in Deutschland überhaupt noch gibt. Doch dies entpuppte sich nicht nur als Vorteil: Oft gab es in den kleinen, entlegenen Dörfern kaum Geschäfte. Wir mussten unsere Vorräte gut einteilen. Manchmal ging uns das Wasser aus und so musste ich an der einen oder anderen Haustür nachfragen, ob man uns etwas Leitungswasser geben könne.

Gekocht wurde auf dem Campingkocher. Zumindest in der ersten Woche. Danach ging uns das Gas aus. An Ersatz, so dachten wir, würde man auf dieser Strecke sicherlich recht leicht kommen. Doch weit gefehlt. Selbst das “Sportfachgeschäft” konnte uns nicht weiterhelfen. Dort hat man sich lieber darauf konzentriert, Snowboards an den Mann zu bringen. Im Frühling. In welch einer verrückten Welt leben wir eigentlich?

Die Nächte verbrachten wir im Zelt. Was so manchen Weggefährten erstaunte. “Kann man denn bei diesen Temperaturen schon draußen übernachten?” Man kann. Und ist es nicht schön, wenn man morgens aufwacht und glitzernde Eiskristalle an den Grashalmen sehen kann?

Langsam dürfte dem aufmerksamen Leser klar sein, dass wir einiges an Gepäck dabei hatten: Ein Zelt, zwei Isomatten, zwei dicke Schlafsäcke, Campingkocher, Wasser, Essbares, Erste-Hilfe-Set, Handtuch, Zahnbürste und so manches mehr… Jeder von uns hatte einen großen Rucksack auf dem Rücken. So ausgestattet fällt man natürlich auf. Und so kamen wir nicht selten mit den Leuten auf der Straße ins Gespräch.

Wo wir denn hinwollten? Ah, dahin, ja, das kenne ich. Sie fahren doch sicherlich mit dem Bus oder dem Zug? Ach, zu Fuß? Warum denn das?

Ja, warum eigentlich? Weil es Spaß macht! Weil es umweltfreundlich ist! Weil man die Umgebung erkundet, in der man wohnt, und die man doch nicht wirklich kennt. Weil man alles hautnah miterlebt. Weil es ein kleines Abenteuer ist. Hatte ich schon erwähnt, dass es Spaß macht?

So nah an und in der Natur zu sein… wer hat das schon? Kein Wunder also, dass sich bald die ersten Veränderungen einstellten. Wir wurden leiser. Oder wurden die Städte plötzlich lauter? Auf jeden Fall wurde ihre Lautstärke für uns beinahe unerträglich. Wie konnten wir das bisher nur täglich aushalten?

Außerdem fiel uns plötzlich auf, dass Städte ungemein stinken. Ja, sie stinken bis zum Himmel. Und nicht nur die Städte. Alle Menschen dieser Erde stinken. Nach Deo, Shampoo und Chemie. Es ist gruselig. (Oder lag es daran, dass wir selbst so sehr nach Schweiß rochen?)

Plötzlich ging nichts mehr zusammen. Wir passten nicht mehr in diese alte Welt, aus der wir zwei Wochen zuvor gekommen waren. Wir waren anders. Und man sah uns anders an. Die anderen dachten, wir würden stinken, während wir davon überzeugt waren, dass alle anderen stinken. Wir fanden die anderen zu laut und sie fanden uns zu seltsam.

Nachmachen? Ja, es gab wohl den einen oder anderen, der ein wenig neidisch war… Doch wir trafen ebenso auf Menschen, die alles darum gegeben hätten, dieses Abenteuer nicht mitmachen zu müssen. Sie hielten uns und unseren “Urlaub” für eine einzige Qual.

Man fragte uns, wie wir unsere Tage verbringen würden. Wir antworteten “Wir stehen morgens um 6 Uhr auf, wenn die Sonne aufgeht. Dann frühstücken wir, bauen unser Zelt ab und laufen bis es dunkel wird. Um 9 Uhr legen wir uns schlafen. Und am nächsten Tag geht alles wieder von vorne los.”

Ist das Urlaub? Ja! Wir finden schon.

Ok, die Blasen an den Füßen, die aufgeschürfte Haut hier und da… das hätte nicht sein müssen. Ohne Schmerzen wäre der Urlaub sicher noch schöner gewesen.

Und danach? Wir nahmen uns eine Woche Zeit, um langsam wieder anzukommen. Ich kann nur sagen: Ein Bett! Eine Dusche! Welch ein Luxus!!!

Ein Supermarkt gleich um die Ecke, eine warme Wohnung, ein Telefon, Internet… wir leben im Überfluss! Uns geht es nicht nur gut, uns geht es viel zu gut.

Ja, und langsam gewöhnten sich auch unsere Ohren und Nasen wieder an die laute, stinkende Stadt.

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03/02/2011

hallo ^^
schön, dass es noch mehr solche “spinner” gibt, die ihren urlaub mit wandern verbringen.
ich bin vor 3 jahren den hermannsweg mit meinem freund gelaufen. – was ein erlebnis!
im märz ist das wetter da unberechenbar. von schnee und hagel, bis sonne alles dabei. aber um die zeit ist es wahnsinnig ruhig und friedlich im wald.
das is eine echte empfehlung für jeden, wenn man mal richtig abschalten will!

Yuuki

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