25/01/2011

Selbstversuch: vereinfachen

Die Welt ist kompliziert geworden. Klimafreundlich zu handeln… gar nicht so einfach. Einige Beispiele:

Sehen wir uns unsere Lebensmittel an, so stellen wir fest, dass wir kaum wissen, wo sie herkommen. Woraus bestehen sie? Die Zutatenliste auf der Rückseite der Verpackung gibt uns vielleicht grobe Hinweise. Aber woher kommen die einzelnen Zutaten? Wie wurde es verarbeitet? Und wo? Unter welchen Bedingungen? Womit ist es in Berührung gekommen? Wie geht es den Menschen, die es hergestellt haben? Unter welchen Bedingungen arbeiten sie?

Wir stellen fest, dass die Verpackung zu wenig Informationen liefert. Wollen wir uns näher mit der Materie befassen, so können Bücher und Filme helfen. Zum Beispiel diese: Quarks und CoTiere essen und We feed the world. Natürlich gibt es noch zahlreiche andere Filme, Dokumentationen im Fernsehen und im Radio, Bücher, Aufsätze usw. Sie klären auf, machen aber auch Angst. Sie zeigen uns, dass alles viel verzwickter ist, als wir es uns vorstellen können. Einen Blick hinter die riesige Maschinerie zu werfen… fast unmöglich. Wirklich Gewissheit über unsere Fragen zu bekommen… ausgeschlossen.

Wie sieht es im Bereich Kleidung aus? Wo wurde sie hergestellt? Unter welchen Bedingungen? Wenn der Stoff aus Bio-Baumwolle besteht, kann ich dann davon ausgehen, dass auch der Reißverschluss und der Knopf auf klimafreundliche Weise und aus umweltfreundlichem Material hergestellt wurden?

Kirsten Brodde hat sich lange mit diesem Thema beschäftigt. Ihr Buch “Saubere Sachen” ist sehr empfehlenswert. Doch leider müssen wir auch hier feststellen, dass wir eigentlich nichts wissen.

Ebenso beim Thema Plastik. Der Film “Plastik Planet” macht es deutlich.

Wo kommen die einzelnen Bestandteile unseres Autos her? Wie ist es mit dem Computer? Was steckt in der Wandfarbe?

Immer wieder stolpern wir über Dokumentationen und Artikel, die uns verdeutlichen, wie kompliziert alles geworden ist. Und wie wenig wir uns damit anfreunden können, was dort passiert. Schlechte Arbeitsbedingungen, Chemikalien, umweltschädliche Maßnahmen usw.

Was kann ich tun?

Viele Leser fragen mich deshalb, was man tun kann. Oder tun sollte. Sie beschweren sich, dass die Labels auf den Verpackungen nicht ausreichen, nicht eindeutig genug sind oder dass man ihnen womöglich gar nicht trauen kann.

Natürlich kann man sich informieren. So gut es geht. Doch ist das vielen Leuten viel zu kompliziert. Was ich gut nachvollziehen kann.

Gerne würde ich einfache Regeln formulieren. So wie in meinem Buch. Greift auf Bio-Produkte zurück. Das ist gut. Das ist relativ einfach. Doch natürlich ist damit noch längst nicht alles getan: Auch Bio-Produkte können schlecht verpackt sein. Auch Bio-Produkte haben oftmals eine lange Reise hinter sich und somit viele Lebensmittelkilometer gesammelt.

Es fällt mir schwer, einfache Tipps zu geben.

Daher hier ein Ansatzpunkt, der sicher (noch nicht) in allen Bereichen funktioniert, der aber vieles bereits heute vereinfachen kann: Wie wäre es, wenn wir sehr viel lokaler handeln würden?

Wie könnte das aussehen?

Wir könnten unsere Nahrungsmittel aus der Region beziehen. Es ist möglich! Ich kaufe mein Obst und Gemüse in einem kleinen Hofladen. Ich gehe zu Fuß hin. Ich darf mir die Felder genau ansehen. Ich weiß, dass keine Chemie verwendet wird. Keine Lebensmittelkilometer. Keine Verpackung. Ich sehe mit eigenen Augen, wie dort gearbeitet wird. Vielleicht sind die Arbeitsbedingungen nicht ideal? Aber ich habe eine Chance, dieses zu erkennen und meinen Mund aufzumachen. Ich kann sogar direkt die richtige Person ansprechen. Denn es handelt sich um einen kleinen Hof. Wenige Mitarbeiter. Trotzdem faire Preise.

Wie steht es mit Kleidung? Vielleicht ist es möglich, die Kleidung selbst zu nähen? Oder eine Freundin zu beauftragen? Auf diese Weise entfallen viele Wege. Die schlechten Arbeitsbedingungen auf dem Baumwollfeld, beim Weben und Färben, kann ich damit nicht ausschalten.

Vielleicht kann ich Plastik weitestgehend vermeiden. Vielleicht kann ich einige Gegenstände durch Holzprodukte ersetzen, die vor Ort gefertigt wurden.

Ich weiß, wie mein Bett hergestellt wurde. Denn ich habe es zusammen mit einem Freund gebaut.

Vielleicht kann ich auf den Kühlschrank verzichten. Und auch auf andere Elektroartikel.

Lokal handeln, Dinge vereinfachen, Dinge selber machen. Ein Ansatzpunkt mit Zukunft? Was meint ihr?

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