20/09/2010

Selbstversuch: Eine Woche ohne Fernseher

Es gibt Leute, die es tatsächlich schaffen, ohne Fernseher zu leben. Dann gibt es diejenigen, welche von sich selbst behaupten, nur sehr wenig fernzusehen. Und als letztes gibt es den normalen Viel-Fernseher. Die meisten Deutschen gehören wohl zur letzten Gruppe. Auch wenn es nicht jeder von uns zugibt. Der Fernseher läuft täglich. Die Lieblingssendung wird selten verpasst. Ach was, Lieblingssendung? Die Lieblingssendungen. Denn wer beschränkt sich schon gerne auf eine Sendung oder ein Sendeformat? Von der Unterhaltungssendung bis zur Dokumentation… Und kennst du schon das neueste Sendeformat? Das musst du unbedingt mal gesehen haben…

Doch manchmal passiert etwas seltsames: Im Urlaub oder beim Umzug oder am runden Geburtstag des besten Freundes. Plörtlich hat man so viel zu tun, dass man tatsächlich für einen ganzen Tag den Fernseher vergisst. Wie gut, dass man alles aufzeichnen kann.

Mal abgesehen von diesen eher unfreiwilligen Fernsehpausen: Wer hat schon einmal aus freien Stücken beschlossen, einen Tag lang oder gar eine Woche lang ohne Fernseher zu leben?

Eine Woche lang auf den Fernseher zu verzichten, fiel mir gar nicht so leicht. Zu sehr war ich daran gewöhnt, ihn anzuschalten, sobald meine Aufmerksamkeit nachließ und ich mir eine Pause gönnen wollte. Zum Beispiel am Abend. Zu sehr war ich daran gewöhnt, mich von ihm einlullen zu lassen, nicht mehr denken zu müssen und nichts mehr tun zu müssen, einfach nur noch zu glotzen, egal ob es mich interessiert oder nicht. Denn wie oft gucken wir hin, obwohl es uns nicht wirklich interessiert? Und wie oft sagen wir empört “Heute abend kommt schon wieder nichts Gescheites”, nur um am selben Abend wie an jedem Abend vor dem Fernseher zu sitzen und uns weiter berieseln zu lassen?

Dieser Selbstversuch brachte keine messbaren Nachteile mit sich. Da gab es keinen Mehraufwand, keine versteckten Kosten, keine offensichtlichen Nachteile. Alle Nachteile und alle daraus resultierende Unzufriedenheit entstand in mir selbst. Plötzlich kam so etwas auf … wie Langeweile. Oder Unruhe. Eine ganz neue Frage: Was tut man eigentlich, wenn man müde und unkonzentriert ist, aber nicht fernsehen will und noch nicht ins Bett gehen will?

Ich muss gestehen, dass es ein paar Tage dauert, bis man sich in der neuen Situation eingefunden hat. Doch dann entdeckt man plötzlich ganz neue Seiten: Ein Abendspaziergang vielleicht. Mit den Freunden kochen. Lesen. Oder (falls da doch noch etwas Konzentration und Tatendrang übrig sein sollte) die Beendigung lange liegengebliebener Projekte.

Nach Beendigung dieses Selbstversuchs gibt es automatisch den einen Vorsatz: Ab heute werde ich weniger fernsehen. Und grundsätzlich wundert man sich nach ein paar Tagen, wie schnell man in die alten Verhaltensweisen zurückfällt. Die alten Sendungen nehmen einen plötzlich wieder gefangen. Wenn es draußen regnet und zu nass für einen Abendspaziergang ist, wenn die Freunde keine Zeit zum kochen haben, … ja dann, ist es doch eigentlich viel bequemer, sich gemütlich vor den Fernseher zu setzen, um diesen verdammten Krimi zu gucken, den man ja eigentlich schon kennt, aber… naja…

Vielleicht kommt man irgendwann an den Punkt, an dem man diesen Selbstversuch wiederholen möchte. Vielleicht dauert es diesmal etwas weniger lange, bis man sich an die Stunden ohne Fernseher gewöhnt hat. Doch mit Sicherheit wird man auch dieses Mal sehr schnell in die alten Verhaltensweisen zurückfallen.

Es gibt Leute, die es tatsächlich schaffen, ohne Fernseher zu leben. Vielleicht haben diese Leute nach wiederholten Rückfällen einfach beschlossen, den Fernseher abzuschaffen? Dann gibt es diejenigen, welche von sich selbst behaupten, nur sehr wenig fernzusehen. Denen habe ich noch nie geglaubt. Und als letztes gibt es den normalen Viel-Fernseher. Die meisten Deutschen gehören wohl zur letzten Gruppe. Genau wie ich.

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04/05/2011

Diesen Versuch musste ich fuer mehrere Wochen durchstehen – unser Fernseher war defekt – sagte meine Mutter zumindest. Ich war zu faul es zu ueberpruefen. Ploetzlich war es immer so ruhig im Haus, der Fernseher lief nicht, kein Moderator, der in irgendeiner Sendung seine Kandidaten zu diversen Aufgaben zu motivieren versuchte. Nachrichten wurden in der Zeitung oder im Internet nachgeschaut.
Man hatte auf einmal so viel Zeit, dass man gar nicht wusste, was man damit anfangen sollte. Als ich dann noch meinen Rechner reparieren lassen sollte, hatte so gut wie den ganzen Tag auf einmal Zeit. Was macht man mit diesem neugewonnenen Gut? Sich an diese neue Situation zu gewoehnen, war schwierig.
Im Endeffekt stellte sich heraus, dass meine Mutter die Stromleitung zum Fernseher gekappt hatte. Mit Absicht.

Dayana

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